Der Wirtschaftsphilosoph schreibt manchmal kleine Anekdoten aus seinem Berufsleben. Das möchte ich zur Abwechslung auch mal machen. Die Vorgeschichte: ich war letztes Jahr auf einer Tagung in Hamburg. Bei einem Abendessen mit ein paar Hedge Fund Managern plauderten wir unter anderem über das von George Soros initiierte Institute for New Economic Thinking. Es stellte sich heraus, dass ein paar der Hedgies regelmäßige Besucher der jährlichen INET Konferenz sind. Da die nächste INET Konferenz in Berlin stattfindet fragte ich ob ich an dieser Konferenz wohl auch teilnehmen könnte? Meine Gesprächspartner wollten sich darum bemühen.
Anfang diesen Jahres bekam ich dann tatsächlich eine Email von INET mit einer Einladung und einem Passwort zwecks Registrierung. Mit großer Freude meldete ich mich an und bekam eine Email Bestätigung mit weiteren Instruktionen. Ich sollte so schnell wie möglich ein Zimmer im Hotel Adlon oder im Marriott Hotel buchen. Wenn schon denn schon dachte ich mir und buchte ein Zimmer im Adlon. Mein Enthusiasmus für “New Economic Thinking” ist mir 1.000 Euro und ein paar Zerquetschte wert. Damit war für mich die Angelegenheit erledigt.
Wochen später bekam ich eine Email von einer New Yorker Event Agentur mit der Frage warum und wie ich mich für die Konferenz registriert habe? Auf das Warum antwortete ich mit meinem Interesse am “New Economic Thinking” und auf das Wie mit dem Verweis auf die Einladung und das Passwort. Tage später kam die Antwort man könne mich im INET System nicht finden und ich möge bitte eine Kopie der Einladung schicken. Das habe ich gemacht wobei meine Frage über das mysteriöse INET System unbeantwortet blieb.
Wieder Tage später kam die Aufforderung ich möge bitte alle Unterlagen schicken. Ich schicke also alle PDF und abgescannte Dokumente. Dann passierte Tage lang nichts. Schließlich bekomme ich statt einem Email einen Anruf aus New York. Man könne mich noch immer nicht im INET System finden. Wie ich denn zu der Einladung gekommen wäre? Meine Antwort “per Email” befriedigt die strenge Dame am Telefon nicht und ich erzähle ihr über das Hamburger Abendessen. Das interessiert sie dann doch und sie möchte eine Liste der Teilnehmer des Essens.
Auf meine Frage warum sie eine Liste der Teilnehmer will meint sie dann könne INET die Personen anrufen und sich nach mir erkundigen. Ich verspreche ihr nach Rücksprache mit den Hedgies die Kontaktdaten zu schicken. Mitten in der Nacht erreiche ich dann einen der Hedgies und dieser ist sehr erstaunt, da er dachte die Angelegenheit sei bereits erledigt, erklärt sich aber zum Interview durch INET bereit. Ich schicke seine Kontaktdaten an die Event Agentur. Diese ruft dann tatsächlich bei ihm an und führt einen CIA-würdigen Background Check meiner Wenigkeit durch. Wer ich bin. Was ich mache. Warum ich eingeladen wurde.
Dann passiert wieder mal länger nichts. Schlussendlich bekomme ich eine Email mit der lapidaren Auskunft, dass mein Status im INET System neu definiert wurde. Ich bin NICHT eingeladen. O-Ton: to define you as not invited. Ich werde mir jetzt ein schönes Wochenende in Berlin machen und mit ein paar INET Teilnehmern ein nettes Abendessen genießen. So hat schließlich mein INET Abenteuer begonnen. Das Gute an der Geschichte ist: ich muss mir nicht den üblichen Marketing-Vortrag von Kenneth Rogoff warum die ganze Welt “This Time is Different” lesen muss anhören.
PS: Ich finde es ganz passend, dass sich INET auf SkyNet reimt. In den Terminator Filmen gerät das SkyNet System ja auch völlig außer Kontrolle und die Maschinen übernehmen die Macht.